Mantrasingen

Mantren gelten als Urform der indischen Sprache Sanskrit. Rishis sollen Überlieferungen zufolge mantrische Klänge empfangen haben, während sie sich in tiefer Meditation befanden.

Wir wissen heute, dass alles, was existiert seine eigene Schwingungsfrequenz erzeugt - jeder Gegenstand, jedes Organ genauso wie jeder Gedanke und jedes Gefühl. In einem erweiterten Bewusstseinszustand, wie er in Meditation auftreten kann, können solche im normalen Alltagsbewußtsein nicht wahrnehmbaren Klangsignaturen jedoch gehört werden. Mantras entstanden somit aus der Übersetzung dieser natürlichen Tonsignale in eine menschliche Sprache. Deshalb gilt das auf ihnen basierende Sanskrit auch als besonders reine Sprache.

Die Rishis überlieferten, welchen Klangfolgen bestimmte materielle und geistige Phänomene entsprachen. Und sie entdeckten, wie die andauernde Rezitation solcher Klangfolgen spezifische Wirkungen auf physischen und psychischen Ebenen hervorzurufen vermochte.

Diese Kraft der Mantren wird geweckt, indem sie laut chantend oder im Geist wiederholt werden. Allmählich werden so Körper und Geist in eine Resonanz mit der dem Mantra innewohnende Schwingung gebracht. Je mehr sich der Körper auf die Klangstruktur des Mantras einschwingt, desto mehr verbinden wir uns mit der mantrischen Kraft und Energie. So gibt es Mantren, die rezitiert werden zum Schutz der Gesundheit, zum persönlichen Wachstum, zur Unterstützung in schwierigen Lebenssituationen, zur Entscheidungsfindung, zur Heilung, zur Stärkung der Willenskraft etc.. 

Mantren sind in der hinduistischen Tradition tief verwurzelt. Die meisten Menschen assoziieren Mantren deshalb mit einer religiösen Praxis, zu die auch die Verehrung von Göttern gehört. Doch könnten nicht so wie die Hexe und der Teufel in unseren Märchen auch die vielen indischen Götter einfach als Archetypen für bestimmte universale menschliche Erfahrungsqualitäten stehen? Vielleicht geht es weniger um Götter und mehr um das, wofür die Götter stehen. Rama, der für Kraft und Tapferkeit, seine Frau Sita, die für bedingungslose Hingabe steht. Hanuman, Diener und bester Freund Ramas, der Mut und Treue verkörpert. Krishna oder Narayani, die beide unterschiedliche Aspekte von Liebe vermitteln. All das, was indische Götter symbolisieren, sind bei genauer Betrachtung zutiefst menschliche Eigenschaften. Können wir, indem wir die Schwingungen dieser „göttlichen“ Aspekte durch Mantren aktivieren, diese guten Qualitäten vielleicht in uns selbst stärken?

Wir neigen heute dazu, der modernen Wissenschaft eine enorme Autorität zuzugestehen. Alles zuvor geschriebene ist nicht vollständig wissenschaftlich bestätigt. Doch man darf nicht vergessen, dass die Überlieferungen alter Kulturen erst langsam überhaupt ernstgenommen und erforscht wird. Dass Meditation heute gesellschaftsfähig ist, verdanken wir der Wissenschaft. Doch, dass es Meditation gibt und das profunde Wissen über ihre Wirkung, verdanken wir Kulturen, die vor vielen tausend Jahren gelebt haben. Vielleicht finden aufgeschlossene Wissenschaftler eines Tages ebenso überzeugende Beweise für die Wirkung der Mantren.

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