Manuela Haase

Wie bist du zum Musikmachen gekommen?

Eigentlich nur durch Jana. Während der späten Schulzeit hab ich zwar schon erste Liedtexte oder Gedichte geschrieben, aber diese Spur hat sich dann auch ziemlich rasch verloren. Selbst Musik zu machen, wäre mir ohne Jana nie in den Sinn gekommen. Weder spiele ich ein Instrument, noch kann ich Noten lesen. Das ist beides für mich höhere Kunst.

 

Wie entstehen denn dann die Melodien, die du beisteuerst?

Manchmal hab ich das Gefühl, ich sammle sie einfach auf. Indem ich mit einem Text geistig spiele und einfach versuche ihn in einem Rhythmus zu singen. Dann zeigt sich plötzlich eine Melodiespur, die sich vertiefen und verfeinern läßt. Aber auch hier würde wahrscheinlich alles schnell verblassen, wenn Jana mit ihrem Talent die Spur nicht aufgreifen und wir gemeinsam Farbe und Muster hineinweben würden.

 

Wie war das denn als ein Lied, das du geschrieben hast zum ersten Mal öffentlich gesungen wurde?

Das war sehr berührend. Es war auf dem ersten Mantra-Abend, den Jana im Quantum17 gegeben hat. Zum Ende hin hat sie mit uns das „Sharanagata“ in einer von mir entwickelten Walzermelodie gesungen. Zu hören und zu sehen, wie alle mitsangen und welche tragende Stimmung dabei zu spüren war, das hat mein Herz ganz weit gemacht. 

 

Wie habt ihr beide euch denn kennengelernt?

Das war bei einem Seminar „Achtsamkeit und Selbstmitgefühl“. Wir hatten da von Anfang an einen besonderen Draht zueinander und staunen heute noch über unseren enormen Gleichklang. Der ist jetzt auch die Basis für unser gemeinsames Wirken - nicht nur in der Musik sondern auch auf dem Feld der Achtsamkeit.

 

Ein gutes Stichwort. Beruflich bist du ja vor allem Achtsamkeitstrainerin und vermittelst Methoden zum Umgang mit Stress - wie verbindet sich das für dich mit der Musik?

Naja, wissenschaftlich ist inzwischen gut erforscht, dass Singen und Tanzen uns sehr entspannen können. Und unsere Lieder wollen ja auch genau dazu einladen: zu singen und zu tanzen und dabei Freude zu erleben.

Mit Achtsamkeit versuchen wir, einem tieferen Gefühl für uns selbst und unser Leben wieder näher zu kommen. Den gegenwärtigen Augenblick wirklich zu erleben. Wenn ein Lied uns wirklich berührt, dann spüren wir uns intensiver und das öffnet manchmal eine Tür in das Jetzt. Mantrasingen ist ja auch verbunden mit Bhakti-Yoga, dem Yoga der Hingabe. Sich ganz dem Hinzugeben, was gerade ist und so wie es gerade ist. Sich der Wahrheit des Augenblicks zu öffnen. Das kann auch bedeuten, sich des Krächzens der eigenen Stimme genauso bewußt zu sein wie des freudigen Glücksgefühls, das beim Singen entsteht. Dazu gibt es eine schöne Geschichte auch aus der Hindu-Tradition.

 

Manche eurer Lieder sind ja eine Mischung aus Song und Mantra, hin und wieder gewürzt mit einer Ballroom-Note. Wie seid ihr auf diesen eigenwilligen Mix gekommen?

Irgendwie fand ich die Idee schön, Mantras in eingängige Songs einzuweben und damit vielleicht auch Menschen neugierig auf die alten indischen Verse zu machen, die bislang noch keinen Zugang dazu hatten. Außerdem tanzen wir beide gern - auch Gesellschaftstänze. Bei der Melodiefindung war es allerdings nie beabsichtigt, einen Walzer oder Rumba zu kreieren. Das kam wie von selbst und wir haben die Spuren dann manchmal einfach vertieft, weil wir es beide toll fanden.

 

Die von euch gesungenen Mantras kommen ja vor allem aus der hinduistischen Tradition. Was für eine Bedeutung haben diese Mantras für dich?

Aus der Überlieferung werden Mantras viel mit göttlichen Wesen in Verbindung gebracht. Ich bin atheistisch aufgewachsen und hatte weder zu mono- noch polytheistischen Weltbildern je ein enges Verhältnis. Doch über den Weg der Logik hat sich mir wie vielen berühmten Naturwissenschaftlern und Philosophen auch, erschlossen, dass es am Urgrund des Seins ein welterschaffendes Schöpfungsprinzip geben muss. Man könnte es die erste Ursache, die höchste Realität oder eben etwas traditioneller auch Gott nennen.

Die Schöpfung, die aus dem einen Urgrund geboren wird, ist letztlich eine Ausdifferenzierung der absoluten Wirklichkeit in ihre vielfältigen ihr stets innewohnenden Aspekte. Dabei entsteht die realtive Wirklichkeit. In Mantras haben Menschen die relativen Aspekte der absoluten Wirklichkeit besungen, indem sie sie oft personifiziert und ihnen Namen gegeben haben. Dabei fällt auf, dass sich die göttlichen Wesen stets durch bestimmte herausstechende Merkmale auszeichnen. Krishna steht z.B. für die höchste Liebe. Narayani verkörpert als göttliche Mutter das Prinzip der mütterlichen Liebe und Fürsorge. Kali, die blutrünstige Göttin, stößt uns unnachgiebig in unsere innerste Schattenwelt - vielleicht spiegelt sie den Arzt oder Psychotherapeuten, der uns durch alle verdrängten schmerzvollen Erfahrungen begleitet, damit wir uns von ihrer aus dem unbewußten wirkenden Kraft befreien können durch Bewußtheit.

Die Möglichkeit über Mantras die eigene innere Seelenlandschaft zu erforschen, finde ich hilfreich und interessant. Sich mit den besungenen Qualitäten zu beschäftigen und achtsam die eigenen Empfindungen dazu zu erforschen, kann sehr heilsam sein.

Neben der mythologischen Dimension wird auch den Buchstabenklängen von Mantras traditionell eine spezifische Wirkung zugeschrieben. Ich bin mir sicher, dass die Klangschwingungen, die das Chanten und Singen hervorrufen tiefe physisch-psychische Wirkungen haben können. Da gab es jedoch bislang wenig Forschungsarbeit, so dass es erstmal noch der eigenen Erfahrung überlassen bleiben muss, welche Effekte wir da für uns wahrnehmen. Für mich selbst kann ich schon sagen, dass das Chanten und Singen sich für mich wohltuend anfühlt. Ich hab da einfach Freude dran.

 

Was wünschst du dir, was eure Musik bei den Menschen auslöst?

Einfach Freude.

Und vielleicht ein Lächeln.

AUSBILDUNGEN
  • Dipl. Soz.Päd.(ASFH Berlin)
  • Dipl. Soz.Wiss. (HU Berlin)

 

FORTBILDUNGEN
  • MBSR - Meditationsbasierte Stressreduktion (Kabat-Zinn)
  • MBCT - Meditationsbasierte Kognitive Therapie (Segal/Williams/Teasdale)
  • MBCL - Meditationsbasiertes Mitfühlende Lebenspraxis (Koster/van den Brink)
  • Yogalehrerin BYV
  • Meditations- und Entspannungstherapeutin
  • Trainerin für Stressbewältigung
  • Entspannungstraining für Kinder
  • Systemische Aufstellungsarbeit
  • NLP-Master (DVNLP)
  • Spirituelle Sterbebegleitung
  • Fastenleiterin

"Wenn wir Menschen uns selbst als Klangkörper, als Musikinstrument in der Sinfonie der Schöpfung begreifen und uns singend immer wieder auf’s Neue befrieden lernen, dann können womöglich – mit unserer eigenen Gesundung durch die Musik einhergehend – auch die durch uns verursachten Verwundungen der Erde heilen."

Sir Yehudi Menuhin

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok